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In vierzig Tagen zu neuer Erde werden: Was steckt hinter dem Trend der „Reerdigung“?

Stroh, Blumen und Mikroben: Die Verwandlung im Kokon hautnah erklärt

Feuer oder Erde? Bislang standen Familien in Deutschland am Ende des Lebens meist vor dieser einen, großen Entscheidung. Doch seit einiger Zeit sorgt ein völlig neuer Begriff für Aufsehen in den Medien und weckt die Sehnsucht vieler naturverbundener Menschen: die Reerdigung (auch bekannt als Terramation oder Humus-Bestattung).

Das Versprechen dahinter klingt faszinierend: Der menschliche Körper wird nach dem Tod weder verbrannt noch klassisch im Sarg beigesetzt, sondern verwandelt sich innerhalb von nur 40 Tagen buchstäblich in fruchtbare Muttererde.

Als Bestattungshaus Anita Märtin schlägt unser Herz seit jeher für die Natur und für nachhaltige, ökologische Wege des Abschieds. Deshalb bewegt uns dieser Gedanke zutiefst. Lassen Sie uns gemeinsam hinter die Kulissen dieser neuen Bestattungsform blicken – mit ganz viel Wertschätzung für die biologische Idee, aber auch mit dem nötigen ehrlichen Blick auf die Realität bei uns hier in Baden-Württemberg.

Wie genau funktioniert dieser Naturprozess im Kokon?

Die Reerdigung ist ein biologisches Verfahren, das in Deutschland aktuell von dem Pionier-Unternehmen „Meine Erde“ angeboten wird. Im Grunde wird hier ein uralter Kreislauf der Natur – wie das harmonische Vergehen von Herbstlaub auf dem Waldboden – in einem geschützten Raum nachgebildet und beschleunigt.


Der Ablauf vollzieht sich in behutsamen Schritten:

Das weiche Naturbett

Der verstorbene Mensch wird sanft in ein einfaches Tuch gehüllt und auf ein weiches Lager aus rein pflanzlichen, heimischen Materialien gebettet: Stroh, Heu und frische Blumen.

Die schützende Wiege

Dieser Verbund wird in einen stählernen, luftdichten Behälter – den sogenannten Kokon – gegeben. Man kann sich diesen Kokon wie eine speziell entwickelte Natur-Wiege vorstellen. Er ist notwendig, um der Natur einen absolut geschützten Raum zu schenken. Unberührt von äußeren Wetterschwankungen können die Mikroorganismen, die uns ohnehin umgeben, hier völlig ungestört ihr Werk vollbringen.

Das sanfte Wiegen

Um den Prozess optimal zu unterstützen, wird diese Wiege von Zeit zu Zeit ganz langsam bewegt. Sensoren sorgen für die präzise Zufuhr von Sauerstoff und Feuchtigkeit. Das ist wichtig, damit die Kleinstlebewesen optimal atmen können und eine reine, gesunde Transformation stattfindet.

Die Kraft für neues Leben

Durch die enorme Aktivität der Mikroben steigt die Temperatur im Inneren rein biologisch auf über 70 °C an. Dass unsere Knochen in den 40 Tagen nicht vergehen, zeigt nur, wie robust das Fundament unseres Körpers ist. Am Ende werden die verbliebenen mineralischen Knochen sanft zu feinem Mehl vermahlen und unter die Erde gemischt. Sie sind reich an Kalk und Phosphor – wertvolle Nährstoffe, die der neuen Erde ihre Kraft schenken. Nach knapp sechs Wochen sind so etwa 150 bis 200 Kilogramm nährstoffreicher Humus entstanden.


Zwischen grünem Wunsch und Paragrafen: Wie sieht es rechtlich bei uns im Süden aus?

Wenn wir mit Familien in Leonberg, Sindelfingen oder Ditzingen über diese wunderschöne Form der Transformation sprechen, folgt dem großen Interesse leider meist ein bürokratischer Dämpfer. Denn so naturverbunden und fortschrittlich unser schönes Baden-Württemberg in vielen Lebensbereichen auch ist – beim Bestattungsrecht halten wir im Südwesten starr an alten Traditionen fest.

Klar und ehrlich gesagt: Eine Reerdigung ist bei uns in Baden-Württemberg aktuell illegal. Unser Landesbestattungsgesetz ist streng reguliert und lässt derzeit ausnahmslos nur zwei Pfade zu: Entweder wir übergeben den Körper im klassischen Holzsarg der Erde oder wir wählen den Weg über das Krematorium zur Feuerbestattung. Wer die beschleunigte Verwandlung im Kokon sucht, blickt im Moment weit gen Norden. Bislang hat lediglich Schleswig-Holstein die Reerdigung als offizielle dritte Bestattungsart in sein Gesetz aufgenommen.

Ein wichtiger Hinweis zum Thema „Eigene Erde“

Oft schwingt bei der Reerdigung die romantische Vorstellung mit, die entstandene Humuserde später im eigenen Garten an den Wurzeln der Lieblingsrosen auszustreuen. Hier müssen wir als Ihre ehrlichen Begleiter ein klares Stoppschild setzen: Auch für diese neue Form der Erde gilt in ganz Deutschland der strikte Friedhofszwang. Sie darf ausschließlich auf einem offiziellen Friedhof oder in einem dafür genehmigten Begräbniswald beigesetzt werden.

Für uns im Raum Stuttgart bedeutet das: Wer den Weg der Reerdigung unbedingt gehen möchte, für den müssen wir eine Überführung nach Schleswig-Holstein organisieren – inklusive der entsprechenden logistischen Wege und bürokratischen Anträge. Das ist machbar, und wir krempeln dafür gerne die Ärmel für Sie hoch, aber es ist ein weiter Weg für ein Naturwunder, das wir eigentlich viel lieber direkt vor unserer Haustür hätten.

Unsere lebendigen Natur-Alternativen

Sie sehnen sich nach einem absolut naturverbundenen, grünen Abschied ohne Feuer, möchten Ihren Angehörigen aber die weite Reise und den bürokratischen Kraftakt in den Norden ersparen? Wir bei Anita Märtin zeigen Ihnen ehrlich auf, welche visionären Ideen es gibt und welche wunderschönen, ökologischen Wege hier im Südwesten vollkommen legal offenstehen.

Der Pilzsarg (Das lebendige Myzel) – Eine weitere Vision mit rechtlichen Hürden

Wenn Ihnen bei der Reerdigung der Gedanke wichtig war, dass Ihr Körper unberührt von Feuer direkt wieder eins mit der Natur wird, stößt man schnell auf eine weitere, faszinierende Innovation: den Pilzsarg. Dieser organische Sarg wird nicht aus Holz gebaut, sondern besteht komplett aus Myzel – dem beeindruckenden, unterirdischen Wurzelnetzwerk von Pilzen.

  • Das Prinzip im Waldboden: Während der Kokon der Reerdigung aus Edelstahl besteht und künstlich belüftet werden muss, arbeitet ein Pilzsarg direkt mit der echten Natur. Im Erdreich verwebt sich das Myzel innerhalb von wenigen Wochen vollständig mit dem umgebenden Boden, neutralisiert Schadstoffe und lädt das Leben aktiv ein.
  • Die rechtliche Situation im Süden: So wegweisend diese biologische Idee auch ist – als Ihre ehrlichen Begleiter müssen wir hier ebenfalls transparent sein: Der Pilzsarg ist in Baden-Württemberg aktuell nicht zugelassen. Das hiesige Bestattungsgesetz schreibt traditionelle Holz- oder sehr spezifische, feste biologisch abbaubare Särge vor. Das lebendige Myzel fällt im Südwesten derzeit noch durch das bürokratische Raster der Friedhofssatzungen.
    Wir hoffen hier sehr auf künftige Lockerungen, müssen momentan aber den rechtlichen Rahmen respektieren.

Die Waldbestattung im FriedWald oder RuheForst

Für alle, die sich eine Ruhestätte abseits klassischer Friedhofsmauern wünschen und eine absolut legale, wunderschöne Möglichkeit im Hier und Jetzt suchen, ist die Baumbestattung der ideale Weg. Hierbei wird der Körper zunächst eingeäschert und die Asche in einer rein biologisch abbaubaren Urne im Wurzelbereich eines schützenden Baumes beigesetzt.

Die Baumwurzeln nehmen die Mineralien im Laufe der Zeit behutsam auf. Der geliebte Mensch vergeht nicht, sondern lebt im Stamm, in den grünen Blättern und im Rauschen des Waldes fort. Begleitet vom sanften Licht des Waldes und Vogelzwitschern übergeben Sie die Grabpflege vollkommen vertrauensvoll in die Hände der Natur.

Grüne Naturoasen auf unseren heimischen Friedhöfen

Auch direkt in unserer Nachbarschaft (ob in Leonberg, Ditzingen oder Renningen) müssen Sie nicht auf das Gefühl von Natur verzichten. Viele lokale Friedhöfe bieten mittlerweile gärtnerisch wunderschön angelegte Naturfelder, Baumgräber oder Urnenwiesen an. Auch hier liegt man gebettet im saftigen Grün, umgeben von Leben, ganz ohne Pflegeaufwand für die Familie.

Ihr grüner Kompass: Welcher Weg passt zu Ihrer Sehnsucht?

Weil jeder Mensch die Verbundenheit zur Natur anders fühlt, gibt es nicht den einen richtigen Weg. Um Ihnen die Orientierung zu erleichtern, haben wir die drei naturnahen Wege anhand dessen skizziert, was Ihnen für den Abschied am wichtigsten ist:

Weg 1: Die Reerdigung – Die Vision aus dem Norden

  • Das Gefühl: Sie fasziniert die Idee, dass der Körper in einer geschützten, technisierten Wiege innerhalb von 40 Tagen zu reiner Humuserde transformiert wird.
  • Das Thema Feuer: Keine Kremierung. Der Körper verwandelt sich direkt.
  • Der Ort der Ruhe: Ein klassischer Friedhof (derzeit nur in Schleswig-Holstein zugelassen).
  • Die Realität für uns im Süden: Bewegende Idee, aber mit weiten Überführungswegen, bürokratischem Aufwand und Zusatzkosten verbunden, da Baden-Württemberg dieses Verfahren derzeit blockiert.

Weg 2: Unser Pilzsarg – Das lebendige Myzel direkt bei uns

  • Das Gefühl: Sie möchten die absolute, organische Rückkehr zur Natur – und zwar durch ein lebendiges Pilzgeflecht direkt im Boden, ganz ohne künstliche Apparate.
  • Das Thema Feuer: Keine Kremierung. Eine reine, sanfte Erdbestattung, bei der das Pilzgeflecht den Körper biologisch umarmt und in wertvolle Nährstoffe verwandelt.
  • Der Ort der Ruhe: Jeder Friedhof – theoretisch, in der Praxis im Süden jedoch noch blockiert.

  • Die Realität für uns im Süden: Derzeit in Baden-Württemberg leider nicht erlaubt. Er scheitert aktuell noch an den traditionellen Sargmaterial-Vorgaben unseres Bundeslandes, da lebendiges Myzel rechtlich noch nicht als Standard-Sarg anerkannt ist.

Weg 3: Die Baumbestattung – Die Ruhe im schützenden Wald

  • Das Gefühl: Für Sie bedeutet Frieden, abseits von Friedhofsmauern unter dem Blätterdach eines alten, majestätischen Baumes zu ruhen und im Rauschen des Waldes fortzuleben.
  • Das Thema Feuer: Klassische, achtsame Kremierung. Die Asche wird anschließend in einer rein biologischen Natururne beigesetzt.
  • Der Ort der Ruhe: Ein geschützter Begräbniswald wie der FriedWald oder RuheForst in unserer Region.
  • Die Realität für uns im Süden: Zu 100 % legal, etabliert und trostreich. Ein bewährter Weg, der die Sehnsucht nach Freiheit und Natur perfekt erfüllt und von uns seit Jahren liebevoll begleitet wird.
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FAQ – Häufige Fragen zur Reerdigung

Damit für Sie keine Fragen offenbleiben, haben wir die wichtigsten Punkte rund um das Thema Reerdigung und die Situation hier bei uns in Baden-Württemberg kurz und kompakt zusammengefasst.

Was passiert genau während der 40 Tage im Kokon?

Der Körper wird ohne Kleidung in ein naturbelassenes Tuch gehüllt und auf ein weiches Bett aus Stroh, Heu und Blumen gelegt. In einem geschlossenen Behälter (dem Kokon) aktivieren körpereigene Mikroorganismen den Transformationsprozess. Durch die gezielte, computergestützte Zufuhr von Sauerstoff und Feuchtigkeit entsteht eine rein biologische Wärme von über 70 °C, die den Körper in den sechs Wochen in Humus verwandelt.

Kann ich meine Bestattungswünsche später noch ändern?

Ja, die Vorsorge bei Anita Märtin Bestattungen ist flexibel und kann jederzeit an Ihre neue Lebenssituation angepasst werden.

Kann ich mich in Leonberg, Ditzingen, Sindelfingen oder Umgebung reerdigen lassen?

Nein, aktuell leider nicht. Das Bestattungsgesetz in Baden-Württemberg lässt derzeit ausnahmslos nur die traditionelle Sarg- oder Urnenbestattung zu. Wer diesen Weg dennoch unbedingt gehen möchte, muss eine Überführung nach Schleswig-Holstein in Kauf nehmen, wo das Verfahren im Norden Deutschlands rechtlich erlaubt ist. Als Ihr Bestattungshaus Anita Märtin organisieren wir diese Wege auf Wunsch natürlich für Sie.

Darf die entstandene Erde mit nach Hause genommen werden?

Nein. In ganz Deutschland gilt ein strenger Friedhofszwang. Auch wenn der Körper zu wunderbarem, fruchtbarem Humus geworden ist, muss diese Erde zwingend auf einem offiziellen Friedhofsgelände oder in einem dafür zugelassenen Begräbniswald eingebracht werden. Das Verstreuen im eigenen Garten oder unter den Lieblingsrosen zu Hause ist gesetzlich verboten.

Was passiert bei der Reerdigung mit den Knochen und Zähnen?

Da sich das menschliche Skelett in 40 Tagen verständlicherweise nicht auflösen kann, bleiben die Knochen nach der Transformation im Kokon übrig. Sie werden im Anschluss – ähnlich wie nach einer Einäscherung im Krematorium – mechanisch zu feinem Mehl vermahlen. Dieses mineralische Knochenmehl wird dann wieder unter die Humuserde gemischt und dient als wertvoller Nährstoffspender für neues Pflanzenleben.

Anita Märtin Bestattungen – Experten für Ihren naturnahen Vorsorgeweg

Wir lassen Sie mit diesen komplexen Entscheidungen nicht allein. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Termin für eine kostenlose Vorsorgeberatung an einem unserer Standorte in Leonberg, Sindelfingen, Renningen oder Ditzingen.

Wir kommen auch zu Ihnen nach Hause

Nicht jeder möchte über Vorsorge in einem Büro sprechen. Ob in Leonberg, Sindelfingen, Ditzingen oder Renningen – wir kommen für die kostenfreie Beratung gerne direkt zu Ihnen. In Ihrer vertrauten Umgebung besprechen wir völlig unverbindlich, wie wir Ihr Erbe absichern.

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Abschiedsraum im Märtin Bestattungsinstitut Leonberg, einladend gestaltet mit lila Stühlen und warmem Licht.

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